Die jetzigen Jahre
von Hans-Joachim Weiß

Seit neun Jahren lebe ich nun gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin Bärbel in einer Wohnung im "Haus des Handwerks" im Stadtteil Geestemünde. Der schöne Ausblick auf die Weser, Holzhafen und Bürgerpark entschädigt ein wenig für den Verkehrslärm an diesem, für Bremerhaven wichtigen Verkehrsknotenpunkt.
Es war sehr schwierig für mich, sich in Bremerhaven wieder wohl zu fühlen, obwohl es ja eigentlich meine Heimat war. Während meiner über zwanzigjährigen Abwesenheit gab es gravierende Veränderungen - die deutsche Hochseefischerei war fast vollkommen eingestellt worden. Werftensterben und der Abzug der Amerikaner hinterließen ihre Spuren. Nötige Strukturreformen wurden besonders von der Politik nicht zeitig genug in Angriff genommen und die seit jahrzehnten bestimmenden Sozialdemokraten waren verfilzt, wie eh und je. Tausende von Arbeitslosen und ebenso viele Sozialhilfeempfänger prägten das Bild dieser einstmals so lebendigen Stadt.

Trotzdem entschloss ich mich, 1994 wieder am Parteileben im SPD- Ortsverein Geestemünde-Nord teilzunehmen. Zeitgleich nahm ich dann auch Kontakt zur Bremerhavener ÖTV auf, die Gewerkschaft in der ich bereits seit 1967 ehrenamtlich tätig war. Dort fand ich eine gut funktionierende SeniorInnenarbeit vor. Die Kolleginnen und Kollegen nahmen mich wohlwollend in ihren Kreisen auf und ich konnte mich gewerkschaftspolitisch einbringen und mitarbeiten. Ende 2001 wurde ich zum ersten Vorsitzenden des SeniorInnenarbeitskreis gewählt; die Kollegin Margarethe Lühr trat aus Gesundheitsgründen zurück. Die Gründung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft "ver.di" war zu diesem Zeitpunkt schon vollzogen.

Im Ortsvorstand bin ich Stellvertreter für den Kollegen Emil Ewelt für die Personengruppe der SeniorInnen. Als Mitglied im SeniorInnenauschuß und Bildungsausschuß Bezirk Land Bremen sowie im SeniorInnenausschuß Landesbezirk Niedersachsen-Bremen kamen dann weitere Aufgaben hinzu. Für die SeniorInnen wurde ich in die Fachbereichsvorstände 11 (Verkehr) auf Bezirks- und Landesbezirksebene nominiert und vertrete dort die Interessen dieser Personengruppe. Im Landesbezirksvorstand Niedersachsen-Bremen bin ich stellv. Mitglied.
Es gibt aber noch eine Reihe weiterer Betätigungsfelder, die ich für erwähnenswert halte. Bei der Bildungsgemeinschaft "Arbeit und Leben Bremerhaven e.V." gehöre ich dem Teamerarbeitskreis an. In Zusammenarbeit mit ver.di finden jährlich Wochenseminare unter Berücksichtigung seniorenrelevanter Themen statt.
Besondere Ehrenämter bekleide ich als Schöffe beim Amtsgericht Bremerhaven und ehrenamtlicher Richter beim Verwaltungsgericht Bremen.
Zur Lufthansa bestehen weiterhin Kontakte über meine Mitgliedschaft in der "Gemeinschaft ehemaliger Lufthanseaten e.V., Regionalverein Bremen".
Viel Zeit und ehrenamtliche Arbeit widme ich auch dem BEW (Betreuungs- u. Erholungswerk

e.V., Bremerhaven). In dieser großen gemeinnützigen Organisation komme ich als Reisebegleiter und Betreuer für Kindererholung zum Einsatz.
So sieht also mein Ruhestand aus: ein Fulltime-Job, der mir allerdings viel Spaß macht. Ich schätze die Arbeit mit Menschen und freue mich über jeden neuen Tag. Natürlich habe ich auch meine "Macken", wie sollte es auch anders sein. Über Rückmeldungen von meinen Mitmenschen weiß ich aber, dass ich wohl doch ein ganz angenehmer Zeitgenosse bin.
Mein besonderer Dank an dieser Stelle gilt meiner Bärbel, die mich ideell unterstützt und mir für meine vielfältigen Aktivitäten in jeder Hinsicht den Rücken freihält. Einen dicken Kuß dafür!